Was nach 19 Tagen zu Ende ging, ist noch nicht vorbei

Das Finish des DLL ist nun vier Wochen her. Es hat eine ganze Weile gebraucht diese ganzen Eindrücke zu verarbeiten. Mental war ich mehr platt als körperlich, was nicht heisst das alles rund lief. Unendlich viele Bilder gehen mit immer wieder durch den Kopf. Regenbilder, Bilder von Hitzeschlachten, Bilder von Verpflegungsstationen, Landschaften, neuen Freunden, offenen Füßen, rosa Pfeilen, Zieleinläufen, warmen und kaltem Essen uvm. Nicht wirklich alles war gut an diesem Lauf. Sollte dieser Lauf noch einmal stattfinden kann man den Läufern nur wünschen das der Veranstalter aus diesem Lauf gelernt hat und die Kritik der Läufer und Helfer aufnimmt. Nicht alles was in diesen 19 Tagen ablief ist zu erklären mit "das ist eben Ultra". 

Was war das nun für mich? So viel ist klar: Es war ein einmaliges Erlebnis in meinem Leben. Wie ich im Vorfeld schon geahnt hatte ist diese Straßenrennerei nicht das Richtige für mich. Und trotzdem war es mein ganz persönlicher Lebenslauf. Hier auf der Straße (um das Wort Bundesstraße zu vermeiden) bin ich nicht zu Hause. Asphalt schrubben ist nichts für mich - das bin ich nicht. Und trotzdem habe ich mich an dieses Unterfangen Deutschlandlauf 2017 gewagt. Warum? Na ich wollte wissen ob ich es kann. Ich kann es! Tschaika ! Dieser Lauf war und bleibt eine absolute Bereicherung. 

Diese Bereicherung würde mir garantiert fehlen, wenn ich nicht den bedingungslosen Rückhalt von Familie, Freunden und Kollegen gehabt hätte. Euch gebührt der größte Dank und Respekt. Vor allem Uschi und Peter. Ihr habt mich während dem Lauf so grandios unterstützt, habt mich in der Planungs- und Trainigingsphase und während Verletzungen aushalten müssen und mich nicht wirklich viel zu Gesicht bekommen. Wer solch einen Rückhalt hat, kann fast nicht scheitern. Das verpflichtet. Vielen herzlichen Dank euch allen dafür. Ihr seit die Allerbesten !

Es hat ein paar Tage gebraucht, bis ich verstanden habe, was hier alles passiert war. Ich habe es geschafft. Tag für Tag läuft man einen Ultra und das wichtigste im Kopf ist in den 24h die man Zeit hat essen - trinken - laufen - schlafen. 19 Tage hintereinander. Auf Strava wurde eine Etappe kommentiert „wow cool jeden Tag ultra laufen können“. Einerseits hat mich das sehr motiviert, andererseits dachte ich „wie bescheuert das zu tun“. Ein paar Tage hatte ich echt den Spaß verloren. Dann kam Tag 9 . . . 

Mittlerweile kann ich stolz empfinden das geschafft zu haben. Das hat eine Weile gebraucht. Wohl sicher auch weil ich körperlich mehr geben musste als ich es bis zum Erreichen der Zugspitze bemerkt hatte. Der Fokus voll auf diesen Berg gerichtet. Zwei Tage nach dem Lauf haben mir beide Sprunggelenke angefangen weh zu tun. Hatte ich das vorher vor lauter fokussiert sein nicht wahr genommen? Oder sagt der Körper danach „schau her es hat echt gereicht jetzt“? Vermutlich beides. Die wirkliche Antwort werde ich aber wohl nicht bekommen. 

Ich war voll auf das „Race“ fokussiert und darauf das Ding vernünftig (im Sinne von gesund) nach Hause zu bringen. Nicht „egal was es kostet“ war von Anfang an die Devise. Nein, ich wollte es einfach schaffen und dabei nicht völlig kaputt sein. Auf Platzierung laufen stand nie zur Debatte. Das schreddert die Orthopädie wie man am Ein oder Anderen Teilnehmer sehen konnte. Man läuft hier nicht gegeneinander. Warum auch. Es sind einzigartige Freundschaften die sich in einer der einsamsten Sportarten der Welt finden. Applaus gibt es von wirklich allen für wirklich jeden. Für den Letzten wie für den Ersten. Miteinander - nicht gegeneinander. Das ist Sport vom Feinsten und einer der Gründe weshalb ich diese Ultras laufe.

Je näher es Richtung Heimat ging umso besser lief es. Wahnsinn wie viele Menschen an mich gedacht haben, während ich meinen Lebenstraum erfüllte einmal durch Deutschland zu laufen. Die vielen Kommentare auf Facebook, Whatsapp, Emails und die Freunde und Familie an der Strecke und in der Heimat haben mich mehr als motiviert durch zu halten. Ja ich war regelrecht überrascht über die Menge an Daumendrückern und wie sehr mich das motiviert hat. Unglaublich. Never Ever hätte ich geglaubt, das so viele Menschen mitfiebern und Anteil nehmen an meinem Lebenslauf. Ich danke euch allen von Herzen dafür! 

Würde ich das nochmal tun? Solch ein Deutschlandlauf mit 19 Etappen ? Klare Antwort: Nein, nicht als Teilnehmer.

Es ist etwas besonderes. Keine Frage. Aber warum Kilometer fressen um jeden Preis statt auf Pfaden die Natur zu erkunden, warum Straßenpfosten zählen zum Zeitvertreib statt Eisvögel, Dachse oder einen Schwarzspecht oder Rehe zu beobachten. Warum Abgasluft einatmen statt die Jahreszeit und das Wetter am Duft zu erkennen? Der Ein oder Andere mag sagen „weil es eben Spaß macht und geil ist“. Ok akzeptiert. Für mich ist das halt anders. Ich mag es den Boden unter den Füßen mit möglichst wenig Dämpfung zu spüren, reagieren auf das Gelände, eins sein mit der Natur und dahingleiten wie ein Tier in seinem Terrain. Oh was habe ich über diesen Vergleich einmal gelacht. Aber ich gebe es zu: Das ist es was mir Spaß macht und was ich am laufen Liebe. 

Was kommt jetzt: 

Jetzt kommt Familie und Freunde und das Geschäft! Arbeit muss sein und es stehen ein paar Veränderungen an. Läuferisch habe ich immer gesagt ich plane nicht über den DLL hinaus. Das war jetzt nicht ganz korrekt von mir denn mein Plan für 2018 ist schon ganz schön voll. Aber ich habe natürlich nur von 2017 gesprochen  . . . . OkOkOk mittlerweile hab ich schon wieder Lust richtig zu laufen . . . Eine Idee hab ich da ja auch - oder zwei . .. Bisher habe ich mich mal von ein paar Laufschuhen getrennt. Nun ist wieder Platz im Regal für Neue. Ziemlich sicher werden das dann aber Trailschuhe sein .... und Crocs - das muss ich einfach pronbieren. 

Danke an euch alle für`s Daumen drücken, mitfiebern, da sein, helfen, unterstützen, trösten und für alles andere. 

Im Ziel - Foto Jörg Schreiber  Danke Steve - sensationell   Teilnehmermedaille und Pokal

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